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Ratgeber · Fertigung

Tablets in der Fertigung: Was sich im Werkstattalltag ändert

Dr. Sven Bachthaler, Bachthaler IT · Zuletzt aktualisiert:
Kurz gesagt

Mit Tablets in der Fertigung sehen Mitarbeiter Arbeitsplan, Zeichnung und Hinweise immer in der aktuellen Version, ohne Ausdrucke und ohne Weg ins Büro. Gleichzeitig melden sie ihre Zeiten je Arbeitsgang direkt zurück, was die Nachkalkulation erheblich genauer macht. Entscheidend für den Erfolg sind eine Werkstattanwendung, die per Touch und ohne PC-Kenntnisse bedienbar ist, stabiles WLAN und robuste Halterungen.

Der klassische Werkstattalltag läuft über Papier: Auftragstasche mit Zeichnung und Arbeitsplan, handschriftliche Notizen, ein Stundenzettel am Feierabend. Das funktioniert, solange sich nichts ändert. Ändert der Kunde eine Zeichnung, liegt in der Werkstatt oft noch die alte.

Was sich mit Tablets ändert

Immer die aktuelle Zeichnung. Das Tablet zeigt die Zeichnung, die zum Artikel gespeichert ist. Ändert das Büro sie, sieht die Werkstatt sofort die neue Version.

Arbeitsplan statt Auftragstasche. Der Mitarbeiter sieht, welche Arbeitsgänge anstehen, welche erledigt sind und welche Hinweise es gibt.

Wissen am Arbeitsschritt. Tipps aus der Arbeitsvorbereitung oder vom Kollegen, Fotos der Aufspannung oder Screenshots aus dem CAM erscheinen genau beim richtigen Arbeitsgang. Wie das beim Generationswechsel hilft, beschreibt der Ratgeber Fertigungswissen sichern.

Zeiten werden nebenbei erfasst. Start und Ende eines Arbeitsgangs werden am Tablet gemeldet. Der Stundenzettel entfällt, und die tatsächlichen Zeiten stehen für die Nachkalkulation bereit.

Weniger Laufwege und Rückfragen. Was als Nächstes dran ist, steht auf dem Bildschirm, statt auf einer Tafel im Büro.

Die Werkstattanwendung muss anders sein als das Büro

Ein häufiger Fehler ist, die Büro-Software einfach auf ein Tablet zu bringen. Für die Werkstatt braucht es eine eigene Oberfläche:

  • Touch-Bedienung mit großen Schaltflächen; mit üblichen Arbeitshandschuhen reagieren Touchscreens oft nicht, dann helfen touchfähige Handschuhe oder ein Eingabestift
  • Nur das Nötige: Arbeitsplan, Zeichnung, Hinweise, Start und Stopp; keine Preise, keine Kundenstammdaten
  • Kein Tippen, wo es sich vermeiden lässt
  • Klare Anzeige, was als Nächstes kommt, statt einer langen Liste aller Aufträge

Mitarbeiter mit wenig PC-Erfahrung kommen mit einer solchen Oberfläche nach kurzer Einweisung zurecht.

Hardware und Infrastruktur

  • Tablets: robuste Geräte mit Schutzhülle, Bildschirm hell genug für die Hallenbeleuchtung
  • Halterungen: fest an Maschine oder Arbeitsplatz, verstellbar, außerhalb des Spänebereichs
  • Laden: Ladekabel am Arbeitsplatz oder eine Ladestation für den Schichtwechsel
  • WLAN: flächendeckend in der Halle; Maschinen und Stahlregale können Signale abschirmen, deshalb vorher messen
  • Großformate: für Zeichnungen bis DIN A0 ein großer Bildschirm oder Fernseher am Arbeitsplatz
  • Smartphone oder Kamera: für Fotos und Videos, die direkt am Artikel gespeichert werden

Typische Stolpersteine

  1. WLAN-Lücken in der Halle. Ein Tablet, das an der Maschine die Verbindung verliert, wird schnell wieder durch Papier ersetzt.
  2. Zu viel auf dem Bildschirm. Wer zehn Menüpunkte sieht, nutzt keinen.
  3. Doppelte Systeme. Läuft parallel das Papier weiter, „zur Sicherheit“, setzt sich das Tablet nie durch.
  4. Die Werkstatt wird nicht gefragt. Mitarbeiter sollten Halterung, Position und Ablauf mitbestimmen.

Schritt für Schritt einführen

Bewährt hat sich, mit einem oder zwei Arbeitsplätzen zu beginnen, an denen ein Mitarbeiter arbeitet, der Neuem gegenüber offen ist. Nach zwei bis drei Wochen werden Erfahrungen gesammelt und Abläufe angepasst, dann folgen die weiteren Arbeitsplätze. Voraussetzung ist, dass Aufträge und Arbeitspläne schon im Büro im System angelegt werden.

Werkstattanwendung von bIT 4.0

Die Werkstattanwendung von bIT 4.0 wird per Touch bedient und zeigt nur die relevanten Informationen: Zeichnung, Arbeitsplan, Hinweise und Bilder je Arbeitsschritt sowie den wichtigsten nächsten Arbeitsschritt für die Maschinen des jeweiligen Mitarbeiters. Mit der Android-App aufgenommene Fotos und Videos landen automatisch beim richtigen Artikel. Für Großzeichnungen bis DIN A0 gibt es eine Smart-TV-App; mehr dazu im Ratgeber Zeichnungen an der Maschine.

Häufige Fragen

Welche Tablets eignen sich für die Werkstatt?

Robuste Geräte mit ausreichend großem Bildschirm, guter Helligkeit und Schutzhülle. Wichtiger als das Modell sind eine sichere Halterung an der Maschine und eine stabile WLAN-Verbindung am Arbeitsplatz.

Kommen ältere Mitarbeiter mit Tablets zurecht?

In der Regel ja, wenn die Anwendung nur zeigt, was am Arbeitsplatz gebraucht wird, und mit wenigen großen Schaltflächen auskommt. Hilfreich ist, wenn ein Kollege aus der Werkstatt die Einführung begleitet.

Was ist mit sehr großen Zeichnungen?

Großformate bis DIN A0 lassen sich auf einem Tablet nur verkleinert darstellen. Eine Lösung ist ein großer Bildschirm oder Fernseher am Arbeitsplatz, der automatisch die Zeichnung des gerade bearbeiteten Artikels zeigt.

Brauche ich für jede Maschine ein Tablet?

Nicht unbedingt. Arbeitsplätze, die eng beieinander liegen oder von einem Mitarbeiter bedient werden, können sich ein Gerät teilen. Ein Tablet pro Arbeitsplatz ist aber am bequemsten und vermeidet Laufwege.

Grundlage

Dieser Ratgeber beruht auf der Praxis aus der Entwicklung von bIT 4.0. Die Software entsteht seit 2013 zusammen mit dem Pilotkunden Plankenhorn GmbH und weiteren Kunden aus Lohnfertigung, Blechbearbeitung und Halbzeughandel.

Wie sieht das an Ihrer Maschine aus?

In der Demo zeigen wir die Werkstattanwendung mit einem Teil aus Ihrem Betrieb.

bIT 4.0 für Ihre Branche:Lohnfertigung ·Einzelteil und Kleinserie ·Blechbearbeitung und Metallbau ·Halbzeughandel und Zuschnitt