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Ratgeber · Fertigung

Betriebs­daten­erfassung im Klein­betrieb: Was wirklich erfasst werden muss

Dr. Sven Bachthaler, Bachthaler IT · Zuletzt aktualisiert:
Kurz gesagt

Betriebsdatenerfassung (BDE) bedeutet, dass die Werkstatt zurückmeldet, wann welcher Arbeitsgang begonnen und beendet wurde. Für kleine Fertigungsbetriebe reichen meist wenige Daten: Auftrag, Arbeitsgang, Mitarbeiter, Start und Ende, getrennt nach Rüsten und Bearbeitung. Diese Rückmeldung ist die Grundlage für Nachkalkulation, realistische Angebote und den aktuellen Stand jedes Auftrags.

Betriebsdatenerfassung klingt nach Industrie, nach Terminals an jeder Maschine und Auswertungen für die Geschäftsleitung. Im Kern ist sie viel einfacher: Die Werkstatt meldet zurück, was sie getan hat. Für einen kleinen Fertigungsbetrieb ist diese Rückmeldung ein besonders nützlicher Datenbestand.

Welche Daten ein kleiner Betrieb braucht

Weniger ist mehr. Diese Angaben reichen für die meisten Zwecke:

Angabe Wofür
Auftrag und Artikel Zuordnung der Zeit
Arbeitsgang Vergleich mit der Kalkulation je Arbeitsgang
Rüsten oder Bearbeitung Rüst- und Stückzeit getrennt auswerten
Mitarbeiter Zuordnung und Plausibilität
Start und Ende tatsächliche Dauer
Gefertigte Menge Stückzeit berechnen, Teilmengen erkennen

Weitere Daten wie Störgründe oder Ausschuss lohnen sich erst, wenn sie auch ausgewertet werden. Jede zusätzliche Eingabe kostet Zeit an der Maschine.

Wofür die Daten genutzt werden

Nachkalkulation: Erst mit tatsächlichen Zeiten je Arbeitsgang lässt sich sagen, ob ein Auftrag Geld verdient hat. Mehr dazu im Ratgeber Nachkalkulation in der Einzelteilfertigung.

Bessere Angebote: Bei Wiederholteilen und ähnlichen Teilen liegen echte Zeiten vor, statt Schätzungen.

Auftragsstand: Das Büro sieht, welcher Arbeitsgang erledigt ist, ohne in der Halle nachzufragen.

Planung: Erledigte Arbeitsgänge fallen aus der Restarbeit heraus; die Reihenfolge der offenen Aufträge kann sich daran ausrichten. Siehe Reihenfolgeplanung ohne Plantafel.

Wie die Erfassung funktioniert

Methode Vorteil Nachteil
Stundenzettel kein Gerät nötig ungenau, nachträglich, muss abgetippt werden
Barcode auf dem Laufzettel schnell, robust Zeichnung nur als Ausdruck, kann veralten
Tablet am Arbeitsplatz Zeiten und Informationen in einem Gerät WLAN und Halterung nötig
Maschinendaten (MDE) automatisch, sehr genau aufwändige Anbindung je Steuerung

Für kleine Betriebe ist das Tablet meist der praktischste Weg, weil es zwei Aufgaben verbindet: Der Mitarbeiter sieht Zeichnung und Arbeitsplan und meldet im selben Schritt Start und Ende. Wie das im Alltag aussieht, beschreibt der Ratgeber Tablets in der Fertigung.

Akzeptanz in der Werkstatt

Die Hürde ist selten die Technik, sondern das Gefühl, kontrolliert zu werden. Drei Dinge helfen:

  1. Offen erklären, wofür die Daten da sind: für bessere Angebote und weniger Rückfragen, nicht für Leistungsvergleiche.
  2. Nichts erfassen, was nicht gebraucht wird.
  3. Den Nutzen zeigen: Wenn die Werkstatt sieht, dass realistische Zeiten zu realistischen Terminen führen, steigt die Bereitschaft.

Gibt es einen Betriebsrat, ist er bei der Einführung zu beteiligen, weil eine solche Erfassung grundsätzlich geeignet ist, Leistung zu überwachen. Auch ohne Betriebsrat gilt der Datenschutz: Nach Art. 13 DSGVO sind Mitarbeiter darüber zu informieren, welche Daten wofür verarbeitet werden. Für die konkrete Ausgestaltung ist ein Datenschutzberater der richtige Ansprechpartner.

BDE in bIT 4.0

In bIT 4.0 dient der Arbeitsplan aus der Kalkulation zugleich als Grundlage für die BDE in der Werkstatt. Mitarbeiter melden ihre Arbeitsgänge an der Werkstattanwendung per Touch zurück, auf Wunsch getrennt nach Rüsten und Bearbeitung; Arbeitspläne und das Verhalten der einzelnen Arbeitsschritte sind frei konfigurierbar. Die tatsächlichen Zeiten stehen danach direkt in der Nachkalkulation und beim nächsten Wiederholteil zur Verfügung.

Für die Arbeitszeit gibt es in bIT 4.0 zusätzlich eine Stempeluhr: Kommen und Gehen werden per Touch erfasst, optional abgesichert per RFID-Karte oder Fingerabdruck. Pausen werden ebenfalls erfasst; die gesetzlichen Mindestpausen nach § 4 Arbeitszeitgesetz zieht bIT 4.0 je nach Einstellung automatisch ab oder weist darauf hin. Mitarbeiter können dort Urlaub beantragen, ihre gestempelten Stunden einsehen und ihren Urlaubsstand prüfen. Arbeitszeit und Auftragszeiten liegen so in einem System.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen BDE und MDE?

Bei der Betriebsdatenerfassung (BDE) melden Mitarbeiter, was sie tun. Bei der Maschinendatenerfassung (MDE) liefert die Maschine selbst Daten wie Laufzeit oder Stillstand. Für kleine Betriebe ist BDE der einfachere und meist ausreichende Einstieg.

Ist BDE dasselbe wie Arbeitszeiterfassung?

Nein. Die Arbeitszeiterfassung dokumentiert die Arbeitszeit eines Mitarbeiters, die BDE ordnet Zeiten Aufträgen und Arbeitsgängen zu. Nach einem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 13.09.2022 (1 ABR 22/21) ergibt sich aus dem Arbeitsschutzgesetz (§ 3 Abs. 2 Nr. 1 ArbSchG) die Pflicht, ein System zur Erfassung der Arbeitszeit einzuführen; eine BDE ersetzt das nicht automatisch. Für die Umsetzung im eigenen Betrieb ist rechtlicher Rat sinnvoll.

Wie genau müssen die Zeiten sein?

Minutengenau je Arbeitsgang ist ideal. Wichtig ist vor allem, dass Rüsten und Bearbeitung getrennt gemeldet werden, weil beide in der Kalkulation unterschiedlich behandelt werden.

Quellen

Wie sieht das an Ihrer Maschine aus?

In der Demo zeigen wir die Werkstattanwendung mit einem Teil aus Ihrem Betrieb.

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