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Ratgeber · Fertigung

Reihenfolge­planung ohne Plantafel: Dringlichkeit statt Liefertermin

Dr. Sven Bachthaler, Bachthaler IT · Zuletzt aktualisiert:
Kurz gesagt

Für die Reihenfolgeplanung gilt: Der Liefertermin allein sagt nicht, welcher Auftrag zuerst bearbeitet werden muss. Entscheidend ist, wie viel Zeit zwischen heute und dem Termin bleibt, abzüglich der Zeit, die die noch offenen Arbeitsgänge brauchen, einschließlich Fremdbearbeitung. Wer die Aufträge nach diesem Puffer sortiert, sieht die echte Dringlichkeit und braucht in kleinen Betrieben meist keine aufwändige Feinplanung.

Montagmorgen in der Halle: Welcher Auftrag kommt als Erstes auf die Maschine? In vielen Betrieben entscheidet das der Meister nach Liefertermin, Erfahrung und dem Kunden, der zuletzt angerufen hat. Das funktioniert, bis zwei Aufträge gleichzeitig eilen oder ein Teil beim Härter hängt.

Warum der Liefertermin allein in die Irre führt

Zwei Artikel, beide am Freitag fällig:

  • Artikel A muss nur noch entgratet werden, eine halbe Stunde.
  • Artikel B muss noch gefräst werden und geht danach vier Tage zum Härten.

Nach Liefertermin sind beide gleich dringend. Tatsächlich ist B schon heute kritisch: Nach dem Fräsen muss er noch am selben Tag zum Härter. A hat bis Freitag Zeit. Wer nach Liefertermin sortiert, bearbeitet im Zweifel A zuerst und verpasst bei B den Termin.

Die echte Dringlichkeit: Puffer statt Termin

Die bessere Kennzahl ist der Puffer, in der Fachsprache Schlupfzeit:

Puffer = verbleibende Zeit bis zum Liefertermin − Zeit für alle noch offenen Arbeitsgänge

Gerechnet wird in Arbeitstagen, damit Wochenenden und Feiertage nicht als Puffer zählen. Zu den offenen Arbeitsgängen zählen eigene Bearbeitungen und Fremdbearbeitungen mit ihrer Durchlaufzeit. Der Auftrag mit dem kleinsten Puffer steht oben. Ist der Puffer negativ, wird der Termin ohne Gegenmaßnahme nicht gehalten, und das sieht man, bevor es zu spät ist.

Artikel Termin Offene Arbeit Puffer Reihenfolge
A Freitag 0,5 h Entgraten ca. 4 Tage 3
B Freitag 3 h Fräsen + 4 Tage Härten ca. 0 Tage 1
C Mittwoch 6 h Drehen ca. 1 Tag 2

Die Reihenfolge aktualisiert sich selbst

Der große Vorteil dieser Rechnung: Sie muss nicht von Hand gepflegt werden. Wenn die Werkstatt erledigte Arbeitsgänge zurückmeldet, sinkt die offene Arbeit, und der Puffer ändert sich. Kommt ein Eilauftrag dazu, ordnet er sich automatisch ein. Voraussetzung ist eine Betriebsdatenerfassung, bei der Arbeitsgänge als erledigt gemeldet werden.

Jeder Mitarbeiter sieht seine nächste Aufgabe

Eine sortierte Liste aller Aufträge hilft dem Büro. In der Werkstatt ist etwas anderes nützlicher: Jeder Mitarbeiter sieht nur die Arbeitsgänge an den Maschinen, die er bedienen kann, und davon den dringendsten zuerst. Damit entfallen die Fragen „Was soll ich als Nächstes machen?“ und die Zettellisten, die der Meister jeden Morgen vorsortiert.

Was die Planung nicht ersetzt

Eine automatische Reihenfolge ersetzt keine Entscheidungen bei echten Konflikten: Wenn zwei Aufträge gleichzeitig kritisch sind und dieselbe Maschine brauchen, muss jemand entscheiden; der Puffer allein berücksichtigt keine Kapazität. Der Unterschied ist, dass der Konflikt früh sichtbar wird, solange es noch Optionen gibt: Überstunden, Fremdvergabe oder ein Gespräch mit dem Kunden.

Wann sich eine Feinplanung doch lohnt

Eine Feinplanung mit Maschinenbelegung und Kapazitätsrechnung lohnt sich eher bei langen Serien, wenigen Engpassmaschinen oder Mehrschichtbetrieb mit festen Abläufen. In der Einzelteilfertigung mit täglich neuen Teilen veraltet ein detaillierter Plan oft schneller, als er gepflegt werden kann.

Automatische Reihenfolge in bIT 4.0

bIT 4.0 berücksichtigt für jeden Artikel die Zeit, die die noch offenen Arbeitsgänge brauchen, einschließlich Fremdbearbeitung, und sortiert danach; der wichtigste Artikel steht oben. Erledigte Arbeitsgänge fallen aus der Berechnung heraus, die Reihenfolge aktualisiert sich. In der Werkstatt zeigt bIT 4.0 jedem Mitarbeiter automatisch den wichtigsten nächsten Arbeitsschritt für die Maschinen, die er bedienen kann.

Häufige Fragen

Brauche ich als kleiner Betrieb eine Feinplanung?

Meist nicht. Eine minutengenaue Maschinenbelegung ist in der Einzelteilfertigung schnell veraltet, weil sich Prioritäten täglich ändern. Eine automatisch sortierte Liste nach echter Dringlichkeit reicht in vielen Betrieben mit 5 bis 30 Mitarbeitern aus.

Wie berücksichtige ich Fremdbearbeitung wie Härten oder Beschichten?

Als eigenen Arbeitsgang mit der Zeit, die das Teil außer Haus ist. Muss ein Artikel noch vier Tage zum Härter, wird er vier Tage früher dringend als ein Artikel mit gleichem Termin ohne Fremdbearbeitung.

Was ist die Schlupfzeit?

Die Schlupfzeit ist der Puffer eines Auftrags: verbleibende Zeit bis zum Liefertermin minus benötigte Restbearbeitungszeit. Je kleiner der Puffer, desto dringender der Auftrag. Ist er negativ, wird der Termin ohne Gegenmaßnahme verfehlt.

Wie verhindere ich, dass Eilaufträge alles durcheinanderbringen?

Indem auch Eilaufträge in dieselbe Rechnung eingehen. Ein Eilauftrag hat einen kurzen Termin und damit wenig Puffer; die Liste zeigt dann sofort, welche anderen Aufträge dadurch knapp werden.

Grundlage

Dieser Ratgeber beruht auf der Praxis aus der Entwicklung von bIT 4.0. Die Software entsteht seit 2013 zusammen mit dem Pilotkunden Plankenhorn GmbH und weiteren Kunden aus Lohnfertigung, Blechbearbeitung und Halbzeughandel.

Wie sieht das an Ihrer Maschine aus?

In der Demo zeigen wir die Werkstattanwendung mit einem Teil aus Ihrem Betrieb.

bIT 4.0 für Ihre Branche:Lohnfertigung ·Einzelteil und Kleinserie ·Blechbearbeitung und Metallbau ·Halbzeughandel und Zuschnitt