Zum Inhalt springen
Ratgeber · Fertigung

Arbeitsplan erstellen: Was in der Einzelteil­fertigung hineingehört

Dr. Sven Bachthaler, Bachthaler IT · Zuletzt aktualisiert:
Kurz gesagt

Ein Arbeitsplan beschreibt, in welchen Arbeitsgängen ein Teil gefertigt wird: an welchem Arbeitsplatz, in welcher Reihenfolge, mit welcher Rüst- und Stückzeit und welchen Hinweisen. In der Einzelteilfertigung ist er zugleich Grundlage der Kalkulation, Vorgabe für die Werkstatt und Maßstab der Nachkalkulation. Er sollte deshalb nur einmal erstellt und dann überall verwendet werden.

Der Arbeitsplan ist das Rückgrat jedes gefertigten Teils. In großen Betrieben ist er ein formales Dokument der Arbeitsvorbereitung. In kleinen Lohnfertigungen existiert er oft nur im Kopf oder als Notiz auf der Zeichnung. Dabei ist er für drei Dinge zugleich da: für den Preis, für die Werkstatt und für den Lerneffekt danach.

Was in einen Arbeitsplan gehört

Angabe Beispiel Wofür
Arbeitsgangnummer 10, 20, 30 Reihenfolge, Platz für spätere Ergänzungen
Arbeitsgang Sägen, Drehen, Fräsen, Entgraten, Härten was gemacht wird
Arbeitsplatz Säge, CNC-Drehmaschine 2, Fremdfirma Stundensatz und Planung
Rüstzeit 45 min einmalige Kosten je Los
Stückzeit 4,5 min Kosten je Teil
Hinweise „Spannbacken weich, Kante 0,2 × 45°“ Wissen für die Werkstatt
Prüfmerkmale Passung Ø 20 h6 messen Qualität
NC-Programm und Spannmittel Programm 4711-02, Spannzange Ø 25 Rüsten ohne Suchen
Durchlaufzeit bei Fremdbearbeitung 4 Arbeitstage Terminplanung

Beispiel: Drehteil mit Härten

AG Arbeitsgang Arbeitsplatz Rüsten Stück Hinweis
10 Sägen Bandsäge 5 min 1 min Zugabe 3 mm
20 Drehen CNC-Drehmaschine 60 min 6 min weiche Backen
30 Fräsen Schlüsselfläche CNC-Fräsmaschine 45 min 4 min Vorrichtung V-12
40 Entgraten Werkbank 0 min 2 min
50 Härten Fremdfirma – – 4 Arbeitstage außer Haus
55 Rundschleifen Ø 20 h6 Schleifmaschine 30 min 3 min Verzug nach dem Härten ausgleichen
60 Endkontrolle Messplatz 0 min 1 min Ø 20 h6

Aus einer solchen Tabelle entstehen der Angebotspreis (siehe Angebotskalkulation), die Vorgabe für die Werkstatt und später der Vergleich mit den tatsächlichen Zeiten.

Einmal erstellen, dreimal nutzen

Kalkulation: Jeder Arbeitsgang wird mit dem Stundensatz seines Arbeitsplatzes bewertet, getrennt für Rüsten und Stück.

Werkstatt: Der Mitarbeiter sieht die Arbeitsgänge seiner Maschine mit Zeichnung und Hinweisen, am besten direkt am Arbeitsplatz; siehe Tablets in der Fertigung.

Nachkalkulation: Die zurückgemeldeten Zeiten je Arbeitsgang zeigen, wo die Schätzung stimmte; siehe Nachkalkulation in der Einzelteilfertigung.

Wer den Arbeitsplan für jede dieser Aufgaben neu schreibt, in Excel, auf dem Laufzettel und in der Auswertung, macht dieselbe Arbeit dreimal und riskiert Abweichungen.

Schneller mit Vorlagen

Die meisten neuen Teile ähneln früheren. Ein bestehender Arbeitsplan als Vorlage spart Zeit: Arbeitsgänge und Arbeitsplätze sind schon da, angepasst werden Zeiten und Hinweise. Voraussetzung ist, dass man die passende Vorlage findet, etwa über Kunde, Werkstoff oder Teilefamilie.

Typische Fehler

  • Fremdbearbeitung fehlt, und der Termin platzt.
  • Rüst- und Stückzeit stehen als eine Zahl im Plan.
  • Mehrere Maschinen sind zu einem Arbeitsplatz zusammengefasst, obwohl ihre Stundensätze unterschiedlich sind.
  • Hinweise der Werkstatt landen auf der Zeichnung statt im Plan und sind beim nächsten Mal verloren.

Arbeitspläne in bIT 4.0

In bIT 4.0 hat jeder Artikel einen Arbeitsplan, der zugleich als Grundlage für die Betriebsdatenerfassung in der Werkstatt dient. Jeder Arbeitsschritt hat einen Stundensatz und trennt Rüsten von der Bearbeitung je Stück. Ein früheres Teil lässt sich als Vorlage kopieren; Rohmaterial, Arbeitsgänge und Schätzzeiten sind dann schon vorhanden. Hinweise und Bilder hängen am jeweiligen Arbeitsschritt.

Häufige Fragen

Wie detailliert muss ein Arbeitsplan sein?

So detailliert, dass jeder Arbeitsgang einem Arbeitsplatz mit eigenem Stundensatz zugeordnet ist und Rüst- und Stückzeit getrennt geschätzt werden können. Feinere Schritte innerhalb eines Arbeitsgangs gehören besser in Hinweise oder ins NC-Programm.

Lohnt sich ein Arbeitsplan auch für ein Teil, das nur einmal gefertigt wird?

Ja, weil er ohnehin für die Kalkulation gebraucht wird. Wird er gespeichert, dient er bei ähnlichen Teilen als Vorlage, und viele Einzelteile kommen später als Wiederholteil zurück.

Gehört die Fremdbearbeitung in den Arbeitsplan?

Unbedingt, als eigener Arbeitsgang mit Kosten und Durchlaufzeit. Nur so stimmen Kalkulation und Terminplanung.

Wer sollte den Arbeitsplan erstellen?

In kleinen Betrieben meist der Inhaber oder die Arbeitsvorbereitung. Wichtig ist, dass die Werkstatt Rückmeldung geben kann, etwa über Hinweise am Arbeitsgang und über die tatsächlich erfassten Zeiten.

Grundlage

Dieser Ratgeber beruht auf der Praxis aus der Entwicklung von bIT 4.0. Die Software entsteht seit 2013 zusammen mit dem Pilotkunden Plankenhorn GmbH und weiteren Kunden aus Lohnfertigung, Blechbearbeitung und Halbzeughandel.

Wie sieht das an Ihrer Maschine aus?

In der Demo zeigen wir die Werkstattanwendung mit einem Teil aus Ihrem Betrieb.

bIT 4.0 für Ihre Branche:Lohnfertigung ·Einzelteil und Kleinserie ·Blechbearbeitung und Metallbau ·Halbzeughandel und Zuschnitt