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Ratgeber · Kalkulation

Angebots­kalkulation in der Lohn­fertigung: Material, Rüstzeit, Stückzeit

Dr. Sven Bachthaler, Bachthaler IT · Zuletzt aktualisiert:
Kurz gesagt

Eine belastbare Angebotskalkulation in der Lohnfertigung trennt einmalige Kosten wie das Rüsten von stückzahlabhängigen Kosten wie der Bearbeitungszeit je Teil. Jeder Arbeitsgang wird mit dem Stundensatz seines Arbeitsplatzes bewertet, dazu kommen Materialkosten und Zuschläge für Gemeinkosten, Vertrieb, Verwaltung und Gewinn. Nur so stimmt der Preis bei 1 Stück genauso wie bei 50 Stück.

In der Lohnfertigung ist jedes Angebot eine kleine Wette. Der Kunde schickt eine Zeichnung, und innerhalb weniger Tage soll ein Preis stehen, der den Auftrag holt und trotzdem Geld verdient. Wer täglich neue Teile anbietet, braucht dafür ein Verfahren, das schnell und gleichzeitig nachvollziehbar ist.

Der Aufbau einer Kalkulation

Eine Angebotskalkulation für ein Fertigungsteil besteht aus drei Blöcken:

  1. Material: das Rohmaterial aus der Stückliste, bewertet nach Gewicht, Länge oder Stück.
  2. Fertigung: die Arbeitsgänge aus dem Arbeitsplan, jeweils mit Zeit und Stundensatz.
  3. Zuschläge: für Material- und Fertigungsgemeinkosten, Verwaltung, Vertrieb und Gewinn.

Material richtig ansetzen

Das Rohmaterial wird so bewertet, wie es eingekauft wird:

  • Stangen und Profile nach Metern oder Kilogramm, mit Zugabe für Sägeschnitt und Spannlänge
  • Platten und Bleche nach Fläche oder Gewicht, mit Zugabe für Verschnitt
  • Normteile nach Stück

Wer das Material ohnehin für die Stückliste erfasst, sollte es nicht ein zweites Mal für die Kalkulation eintippen. Im besten Fall ergibt sich der Materialpreis direkt aus der Stückliste.

Rüstzeit und Stückzeit trennen

Der zentrale Grundsatz der Kalkulation in der Einzel- und Kleinserienfertigung lautet: Einmalige Kosten und stückzahlabhängige Kosten werden getrennt erfasst.

  • Rüstzeit: Maschine einrichten, Programm einfahren, Spannmittel montieren, Erstteil prüfen. Fällt einmal pro Los an.
  • Stückzeit: Bearbeitungszeit je Teil. Fällt für jedes Teil an.

Jeder Arbeitsgang hat beides, und jeder Arbeitsplatz einen eigenen Stundensatz. Die Fräsmaschine kostet pro Stunde mehr als der Entgratplatz. Wie ein Stundensatz zustande kommt, erklärt der Ratgeber Maschinenstundensatz berechnen.

Rechenbeispiel

Ein Drehteil aus Rundmaterial, angefragt in 1 und 20 Stück. Die Werte sind ein Beispiel, keine Branchenwerte.

Arbeitsgang Stundensatz Rüsten Stückzeit
Sägen 45 €/h 5 min 1 min
Drehen 85 €/h 60 min 6 min
Fräsen 95 €/h 45 min 4 min
Entgraten 45 €/h 0 min 2 min

Rüstkosten je Los: 5 min × 45 €/h + 60 min × 85 €/h + 45 min × 95 €/h = 3,75 € + 85,00 € + 71,25 € = 160,00 €

Fertigungskosten je Stück: 1 min × 45 €/h + 6 min × 85 €/h + 4 min × 95 €/h + 2 min × 45 €/h = 0,75 € + 8,50 € + 6,33 € + 1,50 € = 17,08 €

Material je Stück: angenommen 6,00 €

1 Stück 20 Stück
Rüstkosten je Stück 160,00 € 8,00 €
Fertigung je Stück 17,08 € 17,08 €
Material je Stück 6,00 € 6,00 €
Kosten je Stück vor Zuschlägen 183,08 € 31,08 €

Im Beispiel enthalten die Stundensätze bereits die Fertigungsgemeinkosten. Darauf kommen die Zuschläge für Materialgemeinkosten, Verwaltung, Vertrieb und Gewinn. Das Beispiel zeigt, warum die Trennung so wichtig ist: Ohne sie wäre entweder das Einzelteil viel zu billig oder die Serie viel zu teuer. Aus derselben Rechnung lassen sich die Staffelpreise für beliebige Stückzahlen ableiten.

Zuschläge: der Teil, der oft vergessen wird

Nicht alle Kosten stecken in den Stundensätzen: Büro, Versicherungen, Fahrzeuge, die Zeit für Angebote, die nicht zum Auftrag werden. Diese Gemeinkosten werden über Zuschläge verteilt, zum Beispiel auf Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb, dazu ein Gewinnzuschlag. Die richtigen Prozentsätze ergeben sich aus der eigenen Kostenrechnung.

Schneller kalkulieren mit Vorlagen

Wer täglich neue Teile anbietet, muss nicht jedes Mal bei null anfangen. Ein ähnliches Teil aus der Vergangenheit dient als Vorlage: Material und Arbeitsgänge sind schon da, angepasst werden nur Maße und Zeiten. Liegen für das Vorlageteil tatsächliche Zeiten aus der Werkstatt vor, wird die Schätzung deutlich genauer. Darum geht es im Ratgeber Nachkalkulation in der Einzelteilfertigung.

Typische Fehler

  • Rüsten und Bearbeitung werden als eine Zeit pro Stück gerechnet.
  • Ein einheitlicher Stundensatz gilt für alle Maschinen.
  • Sägezugabe und Verschnitt fehlen beim Material.
  • Fremdbearbeitung wird ohne Zuschlag weitergegeben, und Mindestpauschalen von Härtereien oder Beschichtern werden vergessen; bei Einzelteilen fallen sie stark ins Gewicht.
  • Die CAM-Programmierung fehlt; sie fällt einmalig an, oft im Büro und nicht beim Rüsten an der Maschine.
  • Mess- und Prüfzeiten fehlen.
  • Die Kalkulation wird nie mit den tatsächlichen Zeiten verglichen.

Kalkulation in bIT 4.0

In bIT 4.0 ergibt sich der Materialpreis aus der Stückliste, mit Preisen je Kilogramm, Meter oder Stück. Jeder Arbeitsschritt hat einen Stundensatz und trennt Rüsten von der Bearbeitung je Stück. Der Endpreis entsteht per Zuschlagskalkulation mit frei wählbaren Zuschlägen; Staffelpreise berechnet bIT 4.0 automatisch. Der Arbeitsplan aus der Kalkulation ist zugleich die Vorgabe für die Werkstatt.

Häufige Fragen

Warum muss ich Rüstzeit und Stückzeit trennen?

Weil sich das Rüsten auf die gesamte Losgröße verteilt. Bei einem Stück trägt das Teil die ganzen Rüstkosten, bei 50 Stück nur ein Fünfzigstel. Wer die Rüstzeit auf eine angenommene Losgröße umlegt und als Zeit pro Stück rechnet, ist bei kleineren Mengen zu billig und bei größeren zu teuer.

Wie hoch sollten die Zuschläge sein?

Das hängt von der Kostenstruktur des Betriebs ab. Gemeinkosten, die nicht in den Stundensätzen stecken, werden über Zuschläge verteilt. Die Höhe ergibt sich aus der eigenen Buchhaltung, nicht aus Branchenwerten; der Steuerberater kann bei der Ermittlung helfen.

Wie kalkuliere ich ein Teil, das ich noch nie gefertigt habe?

Am schnellsten mit einem ähnlichen Teil als Vorlage: Material und Arbeitsgänge übernehmen und nur die Zeiten anpassen. Je mehr frühere Teile mit tatsächlichen Zeiten vorliegen, desto genauer wird die Schätzung.

Wie rechne ich Fremdbearbeitung ein?

Als eigener Arbeitsgang mit dem Preis des Dienstleisters plus einem Zuschlag für Handling und Transport. Für die Terminplanung zählt außerdem die Zeit, die das Teil außer Haus ist.

Grundlage

Dieser Ratgeber beruht auf der Praxis aus der Entwicklung von bIT 4.0. Die Software entsteht seit 2013 zusammen mit dem Pilotkunden Plankenhorn GmbH und weiteren Kunden aus Lohnfertigung, Blechbearbeitung und Halbzeughandel.

Kalkulation im Griff?

In der Demo zeigen wir, wie bIT 4.0 aus einer Kalkulation Preise für jede Stückzahl macht.

bIT 4.0 für Ihre Branche:Lohnfertigung ·Einzelteil und Kleinserie ·Blechbearbeitung und Metallbau ·Halbzeughandel und Zuschnitt