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Ratgeber · Einstieg

KI im Fertigungs­betrieb: Was heute schon funktioniert und was nicht

Dr. Sven Bachthaler, Bachthaler IT · Zuletzt aktualisiert:
Kurz gesagt

KI im Fertigungsbetrieb hilft heute vor allem beim Lesen unstrukturierter Dokumente: Positionslisten aus Anfragen, Bestellungen per E-Mail oder Lieferscheine werden in Daten umgewandelt, die ein Mensch nur noch prüft. Nicht zuverlässig ist KI bisher dort, wo Fehler teuer werden und keine Prüfung stattfindet. Wichtig ist, offen zu klären, welche Dokumente dafür an externe KI-Dienste übertragen werden.

Bei kaum einem Thema wird so viel versprochen wie bei künstlicher Intelligenz. Für einen Lohnfertiger mit zehn Mitarbeitern ist die entscheidende Frage nüchtern: Welche Arbeit im Betrieb nimmt KI heute zuverlässig ab, und was ist dafür in Kauf zu nehmen?

Wo KI heute wirklich hilft

Eine Stärke aktueller KI-Modelle ist das Verstehen von Texten und Dokumenten, die nicht einheitlich aufgebaut sind. Genau davon gibt es im Büro eines Fertigungsbetriebs viel:

Aufgabe Heute Mit KI
Positionslisten aus Kundenanfragen jede Position abtippen Positionen werden ausgelesen, Mitarbeiter prüft
Bestellungen per E-Mail, PDF oder Excel Auftrag von Hand anlegen Auftragsdaten werden vorgeschlagen
Lieferscheine, Begleitpapiere lesen und übertragen Daten werden erkannt
Texte, E-Mails, Übersetzungen selbst formulieren Entwurf in Sekunden

Gemeinsam ist diesen Aufgaben: Sie kommen häufig vor, kosten heute Tippzeit und lassen sich leicht kontrollieren.

Wo KI (noch) nicht zuverlässig ist

  • Ohne Prüfung arbeiten: KI-Modelle machen gelegentlich Fehler, etwa bei schlecht lesbaren Dokumenten oder ungewöhnlichen Formaten. Wo ein Fehler unbemerkt in Fertigung oder Rechnung landet, braucht es eine menschliche Kontrolle.
  • Fachliche Entscheidungen: Wie ein Teil gespannt, in welcher Reihenfolge bearbeitet und wie es kalkuliert wird, beruht auf Erfahrung mit den eigenen Maschinen.
  • Zahlen aus dem Nichts: Eine KI kennt die Rüstzeiten des Betriebs nicht; realistische Zeiten kommen aus der eigenen Nachkalkulation.

Das Prinzip: Vorschlag statt Automatik

Bewährt hat sich ein einfaches Muster: Die KI liest das Dokument und füllt die Felder aus, der Mitarbeiter prüft und übernimmt. Er spart das Abtippen, behält aber die Kontrolle. Fehler fallen bei der Prüfung auf, bevor sie Folgen haben.

Datenschutz und Kundendaten

Die meisten leistungsfähigen KI-Modelle laufen nicht auf dem eigenen Server, sondern bei externen Anbietern. Das bedeutet: Die Dokumente, die ausgewertet werden, verlassen den Betrieb. Vor dem Einsatz sollten deshalb vier Fragen geklärt sein:

  1. Welche Dokumente werden übertragen? Nur die, die für die Funktion nötig sind.
  2. Ist das mit Kunden vereinbar? Geheimhaltungsvereinbarungen können die Weitergabe von Zeichnungen einschränken.
  3. Gibt es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung mit dem KI-Anbieter, wenn personenbezogene Daten enthalten sind, und wird der Einsatz in der Datenschutzerklärung genannt?
  4. Gehen Daten in ein Land außerhalb der EU? Bei Anbietern mit Sitz zum Beispiel in den USA gelten für die Übermittlung zusätzliche Anforderungen (Art. 44 ff. DSGVO).

Dazu kommt die europäische KI-Verordnung: Nach Art. 4 sollen auch kleine Betriebe, die KI einsetzen, Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz der Mitarbeiter zu fördern, die damit arbeiten. Mit der Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026, wurde diese Pflicht von einer Sicherstellung zu einer Förderung abgeschwächt.

Für die rechtliche Bewertung im Einzelfall ist ein Datenschutzberater der richtige Ansprechpartner.

So fangen Sie an

  1. Eine Aufgabe auswählen, die oft vorkommt und heute abgetippt wird.
  2. Mit echten Dokumenten testen, auch mit schwierigen.
  3. Die Prüfung fest im Ablauf verankern.
  4. Nach einigen Wochen auswerten: Wie viel Zeit wird gespart, wie oft muss korrigiert werden?

KI in bIT 4.0

In bIT 4.0 liest eine KI-Funktion Positionslisten aus Kundenanfragen ein: Die E-Mail oder ihr Anhang wird per Drag & Drop in bIT 4.0 abgelegt und ausgewertet. Die Funktion ist bei einem Kunden produktiv im Einsatz; das Abtippen entfällt. Weil die Funktion nicht fehlerfrei arbeitet, erscheint das Ergebnis als Vorschlag, den der Nutzer prüft und übernimmt. Die Funktion wird nur auf Wunsch des Kunden und in Absprache freigeschaltet. In Entwicklung ist eine Funktion, die Aufträge aus E-Mail-Bestellungen als PDF, Excel oder Text anlegt.

Wohin die Dokumente gehen

Für die Auswertung nutzt bIT 4.0 das KI-Modell Claude von Anthropic über dessen Programmierschnittstelle (API). Übertragen wird nur das Dokument, das der Nutzer zur Auswertung ablegt; es verlässt dafür den Server im Betrieb. Die Antworten auf die vier Fragen oben (Stand Oktober 2026):

  • Vertragspartner: Für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum ist das die Anthropic Ireland, Limited.
  • Ort der Verarbeitung: in Rechenzentren auch außerhalb der EU, vor allem in den USA. Eine Verarbeitung ausschließlich in der EU bietet die API derzeit nicht an.
  • Vertrag zur Auftragsverarbeitung: Das Data Processing Addendum von Anthropic mit den EU-Standardvertragsklauseln für die Übermittlung in Drittländer ist Teil der Geschäftsbedingungen für API-Kunden.
  • Kein Training: Laut diesen Geschäftsbedingungen darf Anthropic mit den Inhalten von API-Kunden keine Modelle trainieren.
  • Löschung: Eingaben und Ergebnisse löscht Anthropic nach spätestens 30 Tagen. Länger aufbewahrt werden sie nur, wenn sie als Verstoß gegen die Nutzungsrichtlinien markiert werden oder ein Gesetz es verlangt.
  • Zugang: Die Funktion läuft entweder über den API-Zugang von Bachthaler IT oder über einen eigenen Zugang des Kunden. Im ersten Fall ist Bachthaler IT Auftragsverarbeiter des Kunden und Anthropic Unterauftragsverarbeiter; im zweiten Fall besteht der Vertrag direkt zwischen Kunde und Anthropic.

Häufige Fragen

Macht KI Fehler beim Einlesen von Dokumenten?

Ja, gelegentlich. Deshalb sollte das Ergebnis immer als Vorschlag erscheinen, den ein Mitarbeiter prüft und übernimmt. Auch mit Prüfung entfällt das Abtippen.

Darf ich Kundenzeichnungen an einen KI-Dienst schicken?

Das hängt von den Vereinbarungen mit dem Kunden ab, etwa Geheimhaltungsvereinbarungen, und vom Datenschutz, wenn personenbezogene Daten enthalten sind. Vor dem Einsatz sollte klar sein, welche Dokumente übertragen werden, und es sollte ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung mit dem Anbieter bestehen.

Wo verarbeitet die KI-Funktion von bIT 4.0 die Dokumente?

Bei Anthropic, dem Anbieter des KI-Modells Claude, in Rechenzentren auch außerhalb der EU, vor allem in den USA. Grundlage ist ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung mit EU-Standardvertragsklauseln. Anthropic trainiert mit diesen Inhalten keine Modelle und löscht sie nach spätestens 30 Tagen.

Ersetzt KI die Arbeitsvorbereitung?

Nein. KI kann Daten aus Dokumenten übernehmen und Routinearbeit abnehmen. Die fachliche Entscheidung, wie ein Teil gefertigt und kalkuliert wird, bleibt bei Menschen mit Erfahrung.

Wie fange ich mit KI im Betrieb an?

Mit einer Aufgabe, die häufig vorkommt, heute abgetippt wird und sich leicht prüfen lässt, zum Beispiel das Übertragen von Positionen aus Kundenanfragen. Dort ist der Nutzen schnell sichtbar und das Risiko gering.

Quellen

Wie sähe das bei Ihnen aus?

In der Demo zeigen wir bIT 4.0 mit Beispielen aus Ihrem Betrieb.

bIT 4.0 für Ihre Branche:Lohnfertigung ·Einzelteil und Kleinserie ·Blechbearbeitung und Metallbau ·Halbzeughandel und Zuschnitt