Fehlmengen entstehen oft nicht durch zu wenig Bestand, sondern weil niemand weiß, welches Material schon für andere Aufträge verplant ist. Abhilfe schafft eine Reservierung je Auftrag: Das System gleicht den Bedarf aller Aufträge mit dem Bestand ab, reserviert vorhandenes Material und legt für fehlendes Material sofort einen Bestellbedarf an. So wird nichts doppelt verplant und nichts zu spät bestellt.
Der Auftrag ist angenommen, die Maschine frei, der Mitarbeiter bereit, nur das Material fehlt. Oder schlimmer: Es war da, ist aber am Vortag für einen anderen Auftrag verbraucht worden. Solche Fehlmengen kosten Termine und Nerven. Sie lassen sich mit einem einfachen Prinzip weitgehend vermeiden.
Woher Fehlmengen kommen
- Doppelte Verplanung: Zwei Aufträge rechnen mit derselben Stange.
- Bestand ohne Auftragsbezug: Die Liste zeigt 20 Meter, aber 15 davon sind schon verplant.
- Bestellung nach Gefühl: Nachbestellt wird, wenn jemand bemerkt, dass das Regal leer wirkt.
- Lieferverzug: Das Material ist bestellt, kommt aber zu spät; ohne Bezug zum Auftrag fällt das erst auf, wenn die Maschine wartet.
- Prüfung von Hand bei jedem Auftrag: Zeitaufwändig und fehleranfällig, besonders wenn mehrere Aufträge dasselbe Material brauchen.
Das Prinzip: Reservieren statt Hoffen
Jeder Auftrag reserviert das Material, das er braucht, im Moment der Auftragserfassung. Damit gibt es drei Zustände:
| Zustand | Bedeutung |
|---|---|
| reserviert | Material ist im Lager und fest für diesen Auftrag vorgesehen |
| wartet auf Bestellung | Material fehlt, Bedarf ist erkannt, aber noch nicht bestellt |
| wartet auf Lieferung | Material ist bestellt, Liefertermin bekannt |
Jeder kann jederzeit sehen, in welchem Zustand das Material eines Auftrags ist.
Der durchgängige Ablauf
- Auftrag erfassen: Aus der Stückliste ergibt sich der Materialbedarf.
- Bedarf abgleichen: Der Bedarf aller Aufträge wird mit dem verfügbaren Bestand verglichen.
- Reservieren: Vorhandenes Material wird dem Auftrag zugeordnet.
- Fehlmenge anlegen: Für fehlendes Material entsteht sofort ein Bestellbedarf.
- Bestellen: Aus dem Bedarf wird die Bestellung, meist muss nur der Lieferant gewählt werden.
- Wareneingang: Die Lieferung wird bestätigt, etikettiert und eingelagert; die Reservierung besteht bereits.
- Verbrauch: Beim Sägen oder Entnehmen wird automatisch gebucht.
Der Vorteil: Niemand muss Bestellungen aus Listen zusammensuchen, und kein Material wird bestellt, das noch irgendwo im Lager liegt.
Reservierungen sichtbar machen
Automatik ist gut, Kontrolle bleibt wichtig. Eine Übersicht aller Reservierungen hilft, Sonderfälle zu erkennen: einen Auftrag, der verschoben wurde, Material, das für einen Eilauftrag umgeplant werden muss, oder eine Reservierung, die nach einer Stornierung frei wird.
Wo das Wissen über den Bestand entsteht
Damit die Reservierung funktioniert, muss der Bestand stimmen. Bei Stangenmaterial heißt das: jede Stange mit ihrer tatsächlichen Länge. Warum, erklärt der Ratgeber Verschnitt bei Stangenmaterial reduzieren. Ein guter Startpunkt ist die nächste Inventur.
Reservierung und Bestellung in bIT 4.0
In bIT 4.0 werden für Stangenmaterial bei der Auftragserfassung die benötigten Stücke abgefragt, über alle Aufträge gebündelt und dem Lagerbestand gegenübergestellt. Jeder Schnitt ist genau einem Auftrag zugeordnet, nichts wird doppelt verplant. Fehlt Material, legt bIT 4.0 die benötigten Stangen virtuell an („wartet auf Bestellung“); sie erscheinen im Bestellmodul, wo nur noch der Lieferant gewählt wird. Der Wareneingang zeigt erwartete Lieferungen, druckt bei Bestätigung das Etikett und fragt den Lagerort ab.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Bestand und verfügbarem Bestand?
Der Bestand ist alles, was im Lager liegt. Verfügbar ist nur, was noch nicht für einen Auftrag reserviert ist. Für die Frage, ob ein neuer Auftrag gefertigt werden kann, zählt der verfügbare Bestand.
Brauche ich Mindestbestände?
Für Standardmaterial, das ständig gebraucht wird, sind Mindestbestände sinnvoll. Für auftragsbezogenes Material ist die Bestellung aus dem tatsächlichen Bedarf genauer und bindet weniger Kapital.
Was passiert, wenn sich ein Auftrag ändert?
Ändern sich Menge oder Termin, muss die Reservierung mitgehen. Ein System, das Reservierungen sichtbar macht, zeigt dann sofort, ob Material frei wird oder zusätzlich bestellt werden muss.
Wie hängen Bestellung und Wareneingang zusammen?
Im besten Fall direkt: Die Bestellung ist bereits mit dem Auftrag verknüpft, beim Wareneingang wird das Material bestätigt, etikettiert und eingelagert, und die Reservierung für den Auftrag besteht schon.
Grundlage
Dieser Ratgeber beruht auf der Praxis aus der Entwicklung von bIT 4.0. Die Software entsteht seit 2013 zusammen mit dem Pilotkunden Plankenhorn GmbH und weiteren Kunden aus Lohnfertigung, Blechbearbeitung und Halbzeughandel.
