CAM-Daten enthalten Informationen, die auch Büro und Fertigung brauchen: wo das NC-Programm zu einem Teil liegt, welche Werkzeuge es benötigt und wann es erstellt wurde. Liest das ERP diese Daten direkt aus dem CAM, entfällt das Abschreiben von Werkzeuglisten, und am Arbeitsplatz ist klar, welches Programm zum Artikel gehört. Wie weit das geht, hängt stark vom jeweiligen CAM-System ab.
In vielen Fertigungsbetrieben leben CAM und ERP in getrennten Welten. Im CAM-System entstehen NC-Programme mit allen Werkzeugen und Bearbeitungsschritten. Im ERP stehen Auftrag, Artikel und Arbeitsplan. Dazwischen liegt Handarbeit: Werkzeuglisten abschreiben, Programmnamen auf Laufzettel notieren, Ordner nach dem richtigen Stand durchsuchen.
Welche Informationen im CAM stecken
Ein CAM-Projekt enthält weit mehr als das NC-Programm selbst:
- Ablageort der NC-Programme für ein Teil
- Benötigte Werkzeuge, oft mit Nummer und Bezeichnung
- Erstellungszeitpunkt der Programme
- Umfang der Programme, etwa die Anzahl der Zeilen
- Bearbeitungsschritte und deren Reihenfolge
Was die Verbindung zum ERP bringt
Klare Zuordnung: Am Arbeitsplatz ist sichtbar, welches NC-Programm zu welchem Artikel und Arbeitsgang gehört. Die Suche im Netzlaufwerk entfällt.
Werkzeugbedarf vorab: Die benötigten Werkzeuge sind bekannt, bevor der Auftrag an die Maschine kommt, und können vorab bereitgelegt werden.
Programmstand prüfen: Der Erstellungszeitpunkt der NC-Datei ist ein Hinweis darauf, ob das Programm nach der letzten Zeichnungsänderung entstanden ist; maßgeblich bleibt der Zeichnungsindex.
Wissen am Artikel: Bei Wiederholteilen ist sofort klar, welches Programm verwendet wurde. Das hilft besonders, wenn ein anderer Mitarbeiter das Teil fertigt als beim letzten Mal; siehe Fertigungswissen sichern.
Grenzen
- Jedes CAM-System ist anders. Manche legen ihre Daten in lesbaren Dateien ab, andere nur in eigenen Formaten. Eine Anbindung wird deshalb je System und Bedarf geklärt.
- CAM ist nicht die Maschine. Daten direkt mit der Steuerung auszutauschen, ist ein eigenes, deutlich aufwändigeres Thema.
- Ordnung bleibt wichtig. Eine Anbindung funktioniert nur, wenn Programme an festen Orten abgelegt werden.
Vorgehen
- Festlegen, welche Information heute am häufigsten abgeschrieben oder gesucht wird.
- Prüfen, wo das CAM-System diese Information speichert.
- Eine feste Ablagestruktur für NC-Programme vereinbaren.
- Mit wenigen Artikeln testen, dann ausweiten.
CAM-Anbindung in bIT 4.0
bIT 4.0 wertet IPT-Dateien aus Autodesk Inventor aus und liest daraus die Joblisten. Sie verraten, wo die zugehörigen NC-Dateien abgelegt sind. Diese NC-Dateien wertet bIT 4.0 ebenfalls aus: welche NC-Werkzeuge für die Bearbeitung nötig sind, wann die NC-Datei erstellt wurde und wie viele Zeilen sie enthält. Ob sich andere CAM-Systeme ähnlich einbinden lassen, wird auf Anfrage geprüft; das hängt von der konkreten Anforderung und den Möglichkeiten der CAM-Software ab. In der Werkstatt können Screenshots aus der CAM-Anwendung als Bild am Arbeitsschritt hinterlegt werden.
Häufige Fragen
Welche CAM-Daten sind für das ERP interessant?
Vor allem der Ablageort der NC-Programme, die benötigten Werkzeuge, der Erstellungszeitpunkt der Programme und ihr Umfang. Damit lassen sich Werkzeugbedarf, Programmstand und Zuordnung zum Artikel prüfen.
Funktioniert das mit jedem CAM-System?
Nicht automatisch. Jedes CAM-System speichert seine Daten anders. Ob und wie eine Anbindung möglich ist, hängt davon ab, welche Daten das System zugänglich macht und was der Betrieb konkret braucht.
Was ist der Unterschied zwischen CAM-Anbindung und Maschinenanbindung?
Eine CAM-Anbindung liest Daten aus der Programmiersoftware im Büro, etwa NC-Programme und Werkzeuglisten. Eine Maschinenanbindung tauscht Daten direkt mit der Steuerung an der Maschine aus. Letztere ist deutlich aufwändiger und hängt stark von der Steuerung ab.
Wozu ist das Datum der NC-Datei nützlich?
Es ist ein Hinweis darauf, ob das Programm zum aktuellen Stand des Teils passt; maßgeblich ist der Zeichnungsindex. Wurde die Zeichnung nach dem Programm geändert, sollte das Programm geprüft werden, bevor es an der Maschine läuft.
Grundlage
Dieser Ratgeber beruht auf der Praxis aus der Entwicklung von bIT 4.0. Die Software entsteht seit 2013 zusammen mit dem Pilotkunden Plankenhorn GmbH und weiteren Kunden aus Lohnfertigung, Blechbearbeitung und Halbzeughandel.
