Der Maschinenstundensatz ergibt sich aus allen maschinenabhängigen Kosten eines Jahres geteilt durch die geplanten Nutzungsstunden. Dazu gehören kalkulatorische Abschreibung, Zinsen, Raumkosten, Energie und Instandhaltung. Ein vereinfachtes Rechenbeispiel für eine CNC-Fräsmaschine mit 120.000 Euro Wiederbeschaffungswert ergibt rund 18 Euro pro Stunde, ohne Lohn, Werkzeuge, Hilfsstoffe und Versicherung. Mit dem Lohn des Bedieners entsteht der Platzkostensatz, mit dem kleine Betriebe häufig kalkulieren.
Jede Kalkulation in der Fertigung steht und fällt mit den Stundensätzen. Ist der Satz für die Fräsmaschine zu niedrig, verliert jeder Auftrag an dieser Maschine Geld, ohne dass es auffällt. Ist er zu hoch, gehen Aufträge an die Konkurrenz. Den Maschinenstundensatz einmal sauber zu berechnen, lohnt sich deshalb für jeden Arbeitsplatz.
Die Formel
Maschinenstundensatz = maschinenabhängige Kosten pro Jahr ÷ Nutzungsstunden pro Jahr
Die Kostenbestandteile
Fixe Kosten, die unabhängig von der Nutzung anfallen:
- Kalkulatorische Abschreibung: Anschaffungs- oder Wiederbeschaffungswert geteilt durch die Nutzungsdauer in Jahren
- Kalkulatorische Zinsen: das in der Maschine gebundene Kapital, häufig berechnet als halber Anschaffungs- oder Wiederbeschaffungswert mal Zinssatz
- Raumkosten: belegte Fläche einschließlich Bedien- und Lagerfläche mal Kosten je Quadratmeter
- Versicherungen, soweit sie der Maschine zuzuordnen sind
Variable Kosten, die mit der Nutzung steigen:
- Energie: Leistungsaufnahme mal Laufzeit mal Strompreis
- Instandhaltung und Wartung
- Werkzeuge, wenn sie nicht direkt dem Auftrag zugerechnet werden
- Hilfs- und Betriebsstoffe wie Kühlschmierstoff und Öl
Rechenbeispiel CNC-Fräsmaschine
Das folgende Beispiel stammt aus der Übersicht von WHK Controlling. Es ist vereinfacht: Werkzeuge, Hilfs- und Betriebsstoffe und Versicherungen fehlen, in der Praxis liegt der Satz entsprechend höher.
| Bestandteil | Rechnung | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| Abschreibung | 120.000 € Wiederbeschaffungswert ÷ 8 Jahre | 15.000 € |
| Zinsen | 120.000 € ÷ 2 × 6 % | 3.600 € |
| Raumkosten | 25 m² × 100 € je m² und Jahr | 2.500 € |
| Energie | 15.000 kWh × 0,30 € | 4.500 € |
| Instandhaltung | Erfahrungswert | 3.000 € |
| Summe | 28.600 € |
Bei 1.600 Nutzungsstunden pro Jahr ergibt sich: 28.600 € ÷ 1.600 h = 17,88 € pro Stunde.
Dieser Satz enthält keinen Lohn. Er beschreibt nur, was die Maschine selbst pro Stunde kostet.
Maschinenstundensatz oder Platzkostensatz?
In vielen kleinen Betrieben bedient ein Mitarbeiter eine Maschine während der gesamten Laufzeit. Dann ist es praktisch, Maschine und Lohn zu einem Platzkostensatz zusammenzufassen:
Platzkostensatz = Maschinenstundensatz + Lohnkosten je produktiver Stunde
Die Lohnkosten je produktiver Stunde ergeben sich aus den Jahreslohnkosten mit Nebenkosten geteilt durch die produktiven Stunden, also ohne Urlaub, Krankheit und Nebenzeiten. Wer stattdessen den Stundenlohn ansetzt, rechnet zu niedrig. Oft kommen noch Restfertigungsgemeinkosten dazu.
Beide Wege sind richtig, wenn der Lohn genau einmal in der Kalkulation landet. Problematisch wird es, wenn der Lohn im Stundensatz steckt und zusätzlich als Fertigungslohn mit Zuschlag gerechnet wird, oder wenn er in keinem von beiden vorkommt.
Läuft eine Maschine teilweise mannlos oder bedient ein Mitarbeiter mehrere Maschinen, ist die Trennung genauer: Maschinenzeit und Personalzeit werden dann jeweils mit ihrem eigenen Satz bewertet.
So nutzen Sie den Stundensatz in der Kalkulation
Jeder Arbeitsgang im Arbeitsplan wird mit dem Satz seines Arbeitsplatzes bewertet, getrennt für Rüsten und Bearbeitung. Wie daraus ein Angebotspreis entsteht, zeigt der Ratgeber Angebotskalkulation in der Lohnfertigung.
Typische Fehler
- Nutzungsstunden zu hoch angesetzt. 365 Tage mal 24 Stunden oder 2.000 Stunden ohne Abzüge ergeben einen zu niedrigen Satz.
- Abschreibung auf den Anschaffungswert einer alten Maschine. Steht ein Ersatz an, ist der Wiederbeschaffungswert die bessere Grundlage.
- Raumkosten vergessen, besonders bei großen Maschinen.
- Energiepreise nicht aktualisiert. Gestiegene Strompreise verändern den Satz spürbar.
- Ein Satz für alle Maschinen. Er verzerrt jede einzelne Kalkulation.
Stundensätze in bIT 4.0
In bIT 4.0 hat jeder Arbeitsschritt einen eigenen Stundensatz. Rüsten und Bearbeitung je Stück werden getrennt bewertet, der Endpreis entsteht per Zuschlagskalkulation mit frei wählbaren Zuschlägen.
Häufige Fragen
Gehört der Lohn in den Maschinenstundensatz?
Im engeren Sinn nicht; der Maschinenstundensatz enthält nur maschinenabhängige Kosten. In kleinen Betrieben wird aber oft ein Platzkostensatz verwendet, der Maschine und Lohn des Bedieners zusammenfasst. Wichtig ist nur, dass der Lohn genau einmal in der Kalkulation steckt.
Mit wie vielen Stunden pro Jahr soll ich rechnen?
Mit den realistisch geplanten Nutzungsstunden, nicht mit der theoretischen Maximalzeit. Wartung, Stillstand, Urlaub und Krankheit sind abzuziehen. Wer die Stunden zu hoch ansetzt, erhält einen zu niedrigen Stundensatz.
Wie oft sollte ich den Stundensatz neu berechnen?
Mindestens einmal im Jahr und immer dann, wenn sich Energiepreise, Auslastung oder Raumkosten deutlich ändern oder eine neue Maschine dazukommt.
Warum sollte ich nicht für alle Maschinen denselben Satz nehmen?
Weil sich die Kosten stark unterscheiden. Ein Einheitssatz macht Arbeit an teuren Maschinen zu billig und an einfachen Arbeitsplätzen zu teuer; die Angebote werden dadurch im Wettbewerb falsch.
